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Innenleben eines Veranstalters – 2 Jahre Corona Virus

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Innenleben eines Veranstalters – 2 Jahre Corona Virus

Bild zum Artikel: Innenleben eines Veranstalters – 2 Jahre Corona Virus

Liebe Läufer,

das zweite Jahr Corona läuft, aber wir dürfen weiterhin nicht gemeinsam laufen. Auch nach mittlerweile 14 Monaten Virusalarm ist nicht abzusehen, wann es endlich wieder möglich sein wird, unser liebstes Hobby auf die Straße zu bringen.

Irgendwie kommt uns die aktuelle Situation ja bekannt vor. Hat sich eigentlich seit dem letzten März irgendetwas geändert? Eigentlich nicht. Momentan versuchen wir, diese Frage für uns mit gesundem Menschenverstand und Optimismus positiv zu beantworten.

Wir nehmen also einfach mal an, dass der Impfplan der Regierung aufgeht (schon klar, das ist eine verwegene Annahme), die Belegung der Intensivbetten zurückgeht und folglich die Überlastung des Gesundheitssystems vom (OP-)Tisch ist. Dann müsste doch eigentlich die Inzidenz ihre omnipräsente Bedeutung verlieren. Denn dann gibt es ja theoretisch keine Risikogruppen mehr und der Corona-Virus wäre nichts anderes mehr als ein Grippe-Virus. Oder gibt es dann bei der nächsten Grippewelle auch einen Lockdown?

Rein mathematisch gesehen, wird die Situation sogar noch besser. Wir haben gerechnet, eine Excel-Tabelle aufgemacht und die aktuelle Impfquote sowie die tägliche Impfrate von der offiziellen Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit (https://impfdashboard.de/) als Basiswerte genommen. Dann haben wir hochgerechnet, wie die Situation am 3. Oktober aussehen könnte. Unter der kaufmännisch vorsichtigen Annahme, dass die aktuell tägliche Impfrate von rund 176.000 Impfungen (in der Vorwoche mit AstraZeneca waren es noch 256.000/Tag) beibehalten wird, werden zum Start des Generali Köln Marathon rund 44 Mio. Impfdosen verabreicht worden sein. Das sind immerhin 53% der Bevölkerung, die bis dahin theoretisch einmal geimpft worden wären. Und wenn wir der Regierung jetzt einfach mal glauben, dass in Kürze deutlich mehr Impfdosen zur Verfügung stehen – nehmen wir mal an, die Impfrate könnte auf rund 500.000 Impfdosen pro Tag erhöht werden –  so hätten wir am 3. Oktober schon 71 Mio. Impfdosen unters Volk gebracht. Jeder erwachsenen Bundesbürger hätte dann also eine Impfung erhalten. Die Erkenntnis daraus: Alle Teilnehmer sind geimpft, Risikogruppen gibt es nicht mehr, Intensivbetten wären alle frei (weil ja keiner mehr schwer an Covid erkranken kann) – Pandemie vorbei, wir können laufen! q.e.d.

Ob das wirklich so einfach ist, wissen wir natürlich nicht, aber wir machen einfach mal einen Haken dahinter.

Und wenn es dann tatsächlich so kommt, dann werfen wir einen Blick in den Veranstaltungskalender im Herbst. Das wird richtig spannend. Alles, was sich Marathon, Triathlon oder Radrennen nennt und ursprünglich im Frühjahr stattfinden wollte, hat sich einen Termin im September und Oktober gesichert. Die Marathon Majors sind allesamt im Herbst, Hamburg, Bonn und so weiter ebenfalls. Woher sollen denn die ganzen Teilnehmer kommen? Starten jetzt alle deutschen Marathonläufer in Berlin, weil durch die Reisebeschränkungen (die sicherlich im Herbst noch vorhanden sein werden) die internationalen Läufer nicht kommen können und so ausreichend Startplätze vakant sind? Können wir dann überhaupt noch kostendeckend eine Großveranstaltung wie den Generali Köln Marathon durchführen, wenn alle Marathonis in Berlin laufen und der Rest sich auf die doppelte Anzahl an Events verteilt?

Naja, und dann haben wir da noch die Bundestagswahlen. Gibt es eine/n Kandidaten/in, der sich als „Lockerer“ aufstellt und die Rückkehr zur Normalität (was immer das auch heißen mag) für sich ins Wahlprogramm schreibt oder gibt es eine/n, der die Sicherheitsschiene fährt und erst bei einer Inzidenz von -1 von Normalität spricht? Kann also auch in beide Richtungen gehen. Wobei, wenn wir oben richtig gerechnet haben, kann ja nur der Lockerer die Wahl gewinnen.

Aber was bringen uns diese Erkenntnisse heute? Nicht wirklich viel für unsere Entscheidungen, die wir heute treffen müssen. Politische Entscheidungen auf Sicht heißt Planungssicherheit bis zur nächsten Ministerkonferenz. Wir entwickeln gerade diverse Szenarien und Hygienekonzepte, um sie dann bei der nächsten Welle oder nach der nächsten Ministerkonferenz wieder neu zu schreiben. Aber darin haben wir mittlerweile Routine. Schöner Nebeneffekt – uns wird nicht langweilig während der Kurzarbeit!

Zu guter Letzt ist uns ist noch immer bewusst, dass wir das untere Ende der Nahrungskette sind, denn wir sind „nur“ bestes Entertainment. Auf uns kann man bis zum Schluss verzichten.

Allen „Wenns“ und „Abers“ zum Trotz sind wir guter Hoffnung und der Meinung, dass die Mathematik nicht lügt. Wir können im Oktober wieder gemeinsam durch Köln laufen. Absagen wollen wir nicht, das kennen wir ja schon aus dem letzten Jahr und das war keine einfache und schöne Entscheidung.

Verliert nicht Euren Humor und die Lust aufs Laufen. Wie im Vorjahr gilt: Wir hören nicht auf zu planen, Ihr hört nicht auf zu trainieren. Und im schlimmsten Fall sehen wir uns digital. Das ist zwar kein richtiges Erlebnis, aber besser als gar kein Ziel zu haben.

Wir schaffen das. Gemeinsam.


Euer Generali Köln Marathon-Team

Backy, Freddie, Hilde, Jan, Jens, Kerstin, Markus, Sebi und der Simon