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Noch 19 Tage | Hintergründe der Laufanalysekoeln.de

12.09.2017

Laufanalysekoeln

WISSENSCHAFT & REALITÄT

Das Ergebnis einer naturwissenschaftlichen Forschung ist zum Großteil die Normierung bzw. Bildung von Mittelwerten. Im Bereich der Körperanalysen stellt sich die Frage, ob Normwerte als Gegenstand einer Forschungsarbeit angebracht sind. Diese Frage stellt sich, weil doch gerade die Natur keine Normierung bietet. Betrachtet man z.B. 100 Läufer, dann wird man 100 verschiedene Laufabfolgen analysieren können. Welches Ziel wird also verfolgt, wenn während einer Laufanalyse zahlreiche Körper-Winkel genau zu analysiert werden?

 

DIE PHYSIOTHERAPEUTISCHE LAUFANALYSE

Zu meist werden Laufanalysen zur Verletzungsprävention oder zur Untersuchung von Ursachen für Verletzungen durchgeführt. Weitere Gründe sind die Auswahl der richtigen Laufschuhe oder eine zielgerichtete Einlagenversorgung. Die Laufanalyse, das Analysieren der Aktivität Laufen, ist im Prinzip das was am Ende einer komplexen Untersuchung steht. Denn das Laufen ist das Ergebnis der Einflussfaktoren Beweglichkeit, Stabilität, Statik und Bewegungskontrolle. Dazu zählt zudem auch die Überprüfung der aktuell relevanten Aktivität des Patienten / Läufers, das Laufen selber. Eine Laufanalyse sollte demnach in eine Untersuchungsreihe eingebettet sein. Sie ist entweder die Erklärung der Untersuchung (Körperliche Untersuchung und Anamnese) oder sie gibt Hinweise hinsichtlich der Fokussierung der Untersuchung, um Erklärungen für ein Bewegungsmuster zu finden. Diese Verfahren werden als „Bottom Up“ oder „Top Down“ Ansatz bezeichnet (Belda-Lois J-M 2011).

 

GRÜNDE FÜR VERLETZUNGEN

Wenn das Ziel einer Laufanalyse also ist Verletzungen zu erklären oder verhindern zu wollen, ist es wichtig die Frage zu stellen wie es zu Verletzungen kommen kann oder welche Ursachen zu Verletzungen führen. Die Verletzungsursachen werden in der Literatur in zwei Bereiche eingeteilt, die intrinsischen und die extrinsischen Faktoren.

Als allgemeine Faktoren (extrinsisch) für ein höheres Verletzungsrisiko gelten eine höhere Anzahl an Laufkilometern, eine höhere Anzahl an aktiven Sportjahren und ein vernachlässigtes Auf- und Abwärmen (Bales J., 2012; Shaw 2004). Ebenfalls werden eine erhöhte Leistungsfähigkeit der Sportler sowie unterschiedliche Schuharten und Bandagen als extrinsische Faktoren für ein höheres Verletzungsrisiko eingestuft. Hier wird demnach spezieller auf das Verhalten des Läufers eingegangen – ein wichtiger Aspekt im bio-psycho-sozialem Verständnis für Verletzungen und Krankheiten. Die extrinsischen Faktoren werden also im Wesentlichen durch das Verhalten des Sportlers/Patienten hervorgerufen oder beeinflusst.

 

MEHR ALS EIN VIDEO & WINKEL

Als intrinsische Faktoren gelten primär die anatomischen Faktoren sowie das Geschlecht, das Alter und die Größe des Sportlers. Unter den anatomischen Faktoren gelten vor allem die Flexibilität, die spezifische Muskelkraft, die Rumpfstabilität und die Symmetrie als relevant für die Untersuchung von Verletzungsursachen. Im Sportbereich gelten zusätzlich noch eine geringe Koordinationsfähigkeit sowie körperliche Asymmetrien als prädiktive Faktoren von Verletzungen (Frohm A, 2012; Murphy, 2003).

Verletzungen stehen demzufolge in einem multikausalen Zusammenhang, wobei eine alleinstehende Laufanalyse nur einen Aspekt, das Bewegungsmuster, welches von den anatomischen Faktoren wie Beweglichkeit, Kraft und Koordination geprägt ist, analysisert und demnach nicht als ausreichend zu bewerten ist.

DIE BASALE KORREKTUR

Letztlich muss das Ziel sein, eine Fragestellung zu entwickeln, aus der heraus eine langfristige Hilfestellung für den Läufer/Patienten entwickelt werden kann. Die Analysen sollten nur ein Mittel zum Zweck sein. Die Nachbereitung der Analysen steht im Vordergrund. Denn eine Analyse alleine, führt nicht zu einer Verbesserung des Laufens (Laufstils).

Welche Optionen hat also ein Läufer, nach einer Laufanalyse? Er kann nun versuchen, die festgestellten in- und extrinsischen Verletzungsursachen zu beeinflussen. Dies könnte z.B. bedeuten, dass er die Lauftechnik verändert, korrigierende Übungen in sein Trainingsprogramm integriert, Einlagen anfertigen lässt oder sein Trainings- oder Regenerationsverhalten verändert.

Der Physiotherapeut kann dem Läufer aufgrund der körperlichen Untersuchung, z.B. auf Basis des Functional Movment Screens, korrigierende Übungen mitgeben. Diese bewirken in verschiedenen Sportarten einen positiven Effekt in Bezug auf die Qualität der Bewegung oder auf Verletzungen (Lauresen, J B 2014 ; Leppänen M 2014). Es werden verschiedene Verletzungen mit spezifischen intrinsischen Faktoren in Verbindung gesetzt. Dies könnte mit Hilfe von Untersuchungen überprüft werden und zudem mit korrigierenden Übungen entgegengewirkt werden

FAZIT

Die Laufanalyse ist folglich elementar um die aktuell relevante Aktivität des Läufers / Patienten zu diagnostizieren. Die Überprüfung alleine eröffnet jedoch nur Hypothesen. Diese können über eine körperliche Untersuchung entweder später (Top-Down) oder vorher (Bottom-Up) falsifiziert oder verifiziert werden.

Grundsätzlich geben Winkelangaben Tendenzen an mit denen Verbindungen zu den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung hergestellt werden können. Ebenso sollte eine Anamnese durchgeführt werden, welche hinsichtlich der extrinsischen Faktoren einen Großteil der Ursachen für Verletzungen aufdecken kann. Zudem sollte am Ende einer jeden Analyse eine Nachbereitung mit spezifischem Bezug zur Ursache der Verletzung stehen.

Die Laufanalyse sollte demnach einer Befundung ähnlich des physiotherapeutisch methodischen Handelns entsprechen und folglich aus einer Anamnese, der körperlichen Befundung (passiv-aktiv), der Überprüfung der aktuell relevanten Aktivität (Laufanalyse) und der Behandlung (Übungen, Techniktraining) bestehen.

 

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